Das Bodensystematik-Forum

Vorschläge zu Anmoor- und Moorgleyen sowie für Erd- und Mulmmoor


20.02.2006

Zitieren

Vorschläge zu Anmoor- und Moorgleyen sowie für Erd- und Mulmmoor

Ausgangspunkt:


In Brandenburg sind die meisten vermoorten Flächen mehr oder weniger stark entwässert, so dass der obere Profilteil eines Anmoors oder Moorgleys überwiegend der Mineralisierung unterliegt.


Dadurch ergeben sich in der Kartierung zwei grundsätzliche Probleme:


1. bei bestimmten Horizonten ist die Bodenentwicklung als reliktisch (z. B. rGo, rGr, rGo-Aa, rAa-Go) oder als Neue auszuweisen (z. B. nHv oder nHm). Alle bisher definierten bodensystematischen Einheiten tragen diesem Umstand nur auf dem Varietätenniveau Rechnung (z. B. entwässerter Normgley, entwässertes Anmoor, entwässerter Niedermoorgley usw.).


2. Ferner treten in den Horizontabfolgen Go-Horizonte auf, wo sie in den bisherigen Definitionen systematischer Einheiten nicht vorgesehen sind (z. B. unterhalb eines (r)Go-Aa oder (r)Aa-Go bzw. unter einem nHv oder nHm).


Vorschläge:


Rezente ANMOORGLEYE sind in der Regel im Nordostdeutschen Tiefland selten. Häufig handelt es sich um ein Durchgangsstadium in einer degenerativen Entwicklung zum Gley. Deshalb sollten die Horizontfolgen systematischer Einheiten der Anmoore angepasst und unter einem Aa-Go- oder Go-Aa-Horizont ein reiner Go-Horizont zugelassen werden. In diesen Fällen handelt es sich im Oberboden aber um einen rGo-Aa- bzw. rAa-Go-Horizont. Treten diese Horizontfolgen auf, können sie dann eindeutig Subtypen zugeordnet werden, deren Varietät reliktisch bzw. entwässert ist.


Rezente MOORGLEYE gibt es ebenfalls kaum noch. Typisch sind jene, die sich durch Degradation aus den Mooren entwickelt haben (über 90 % aller Moorgleye in Brandenburg). Vorschlag in Anlehnung an die Systematik der Moore:

Erdniedermoorgley KV-GH mit der Hor.-Folge nHv/IIGo/Gr (nHv < 3 dm),

Mulmniedermoorgley KM-GH mit der Hor.-Folge nHm/IIGo/Gr (nHm < 3 dm).


ERD- und MULMMOORE: Die verbreiteten flachen Moore in Brandenburg mit Torfmächtigkeiten von wenig mehr als 3 dm besitzen zwar die in der Klasse Erd- und Mulmmoore geforderten Oberbodenhorizonte aber meist nicht die Liegenden wie in den Definitionen, da bereits Mineralboden folgt. Die Abfolgen werden dann pragmatisch ausschließlich nach den Oberbodenhorizonten eingestuft. Aber auch hier fehlt in den bisherigen Horizontabfolgen die Möglichkeit, eine Abfolge mit einem Go-Horizont nach hangenden Torfhorizonten mit wenig mehr als 3 dm Mächtigkeit eindeutig einzustufen. Entsprechend dem Vorschlag zu den Moorgleyen sollten die Horizontfolgen der Erd- und Mulmmoore ebenfalls ergänzt werden.


Der AK Bodensystematik hat auf seiner Sitzung am 10./11.11.2005 in München die Aufnahme entsprechender Änderungen für die neue Bodenkundliche Kartieranleitung (KA 5) vertagt, weshalb nun eine Diskussion angebracht erscheint.


gez. Dieter Kühn


22.02.2006

Zitieren

Anmoorgleye etc.

Vorschläge zu Anmoor- und Moorgleyen sowie für Erd- und Mulmmoor


Ich unterstütze die Vorschläge von Dieter Kühn fast vollständig und verweise darauf, dass in der Kartierpraxis in SH natürlich auch unter einem Aa oder H-Horizont ein Go- oder Gw-Horizont folgen kann, wenn entsprechende Merkmale erfüllt sind. Dies ist in der Tat eher die Regel als die Ausnahme.


Bei den kultivierten Moorgleyen würde ich jedoch auf die Differenzierung in kultivierte Niedermoor-Moorgleye und kultivierte Hochmoor-Moorgleye verzichten, da es sich dann wohl in der Regel um amorphe Torfe handelt, die sich gar nicht mehr eindeutig zuordnen lassen.


Ich möchte noch einen Hinweis auf das Bodenausgangsgestein geben: Gibt es Aa-Horizonte aus (Niedermoor-)Torf (bei stark degradierten ehemals flachgründigen (Nieder-)mooren) ?

Wäre umgekehrt auf der Seite der Horizonte ein nH°Aa-Horizont (also ein anmooriger Horizont entwickelt in einem ehemaligen H-Horizont) denkbar, um die Richtung, in die sich der Boden entwickelt aufzuzeigen?


Aus kartierpraktischen Gründen würde ich aber in jedem Fall bei der Klassifikation von Anmoorgley, Moorgley und Niedermoor nach den jetzigen Kriterien (Humusstufe, Torfmächtigkeit) unter Hinzuziehung der Vererdung bleiben.


Wie soll mit Profilen umgegangen werden, die mächtiger als 4dm anmoorig sind? Diese werden in SH ebenfalls aus kartierpraktischen Gründen zu den Anmooren gestellt.


gez. Bernd Burbaum (LANU Schleswig-Holstein)


24.02.2006

Zitieren

Zur Definition von Anmoorgleyen

In geologischen Karten und Erläuterungen wurde früher häufig mit Mineralboden vermischtes und umgelagertes Torfmaterial oder stark vererdete Torfe als Anmoor oder als anmoorig bezeichnet. Die geogenetische Definition (Hinze et al 1989) lautet: „Gemisch aus mineralischer und feinverteilter organischer Substanz (13 – 30 Masse-%) oder Torf, der weniger als 0,3 m mächtig ist“.


Die pedogenetische Definition unterscheidet sich hiervon, dies führt zu Missverständnissen.


Kubiena (1953): "Anmoore und Torfe sind zwei einander entgegengesetzte Bildungen und deshalb stets zu trennen. Anmoore sind mit Ausnahme der dystrophen Übergangsformen tätige, Torfmoore hingegen rohe, untätige Humusbildungen“.


Mückenhausen et al. (1977): "Das im Entstehungsstadium fast ständig hohe Grundwasser hemmt die Zersetzung organischer Substanz, wodurch eine Anhäufung von Humus zustande kommt. ...... Wassertiere sind weitgehend an der Zersetzung der organischen Substanz beteiligt, so dass der Humus des Anmoorgleyes in der Regel eine Menge gut humifizierter Losungsreste von Wassertieren enthält. Dadurch unterscheidet sich dieser Humus von den Torfarten und den terrestrischen Humusformen“.


Die Humusform Anmoor entsteht bei langanhaltender Sauerstoffarmut durch Akkumulation organischer Substanz in A-Horizonten. Ohne Änderung des Wasserhaushaltes entwickelt sich dabei keine Feinhumusauflage (Oh) und keine Torfauflage (H). Deshalb wird das Anmoor bei unverändertem Wasserhaushalt auch als Nassmull bezeichnet (www.humusformen.de).


Im Gegensatz zu einer reinen Bodenklassifikation reicht beim bodengenetischen Ansatz der Deutschen Bodensystematik der Gehalt an organischer Substanz zwischen 15 und 30 Masse-% zur Definition des Anmoorgleys nicht aus. Ein Wasserhaushalt, der zur Akkumulation organischer Substanz unterhalb der Grenzen für Torfe bei einer andersartigen Humusbildung führt, ist wesentlich. Die diagnostische Horizontfolge lautet: Aa-Go, Go-Aa/Gr. Bodenbildungen aus vererdeten oder vermulmten Torfen unterscheiden sich morphologisch deutlich von intakten Anmoorgleyen und sollten nicht mit diesen gleich gestellt werden. Reliktische Anmoorgleye mit verändertem Wasserhaushalt können abweichende Horizontfolgen aufweisen und sich zu Naßgleyen oder typischen Gleyen entwickeln. Über die typologische Zuordnung von Böden, deren Wasserhaushalt sich deutlich ändert besteht noch Diskussionsbedarf.


Siehe hierzu Definition Antorf und Anmoor in: Succow, M. & Joosten, H. (2001): Landschaftsökologische Moorkunde.- Seite 58, Schweitzerbart´sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.


Gerhard Milbert



Neuen Beitrag schreiben:

Name:
E-Mail:
Thema:
Text:
Anti-Spam:
Bitte geben Sie hier Boden ein.
Dies ist ein Spam-Vermeidungssystem.


Zurück zur Themenübersicht

Administrator-
Zugang