Das Bodensystematik-Forum

periglaziale Lagen in der KA5


26.02.2006

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periglaziale Lagen in der KA5

ich bin mit einigen Aspekten der Definition der periglazialen Lagen nicht ganz glücklich


- wie unterscheide ich eine pleistozäne Oberlage von einem faziell identischen holozänen Sediment? Gibt es überhaupt irgendwo eine im strengen Sinn gesicherte LO?

- Wie kommt es, dass an Luvhängen Mittellagen häufig in abflusskonzentrierenden Hangdellen vorkommen, obwohl sie nach KA doch auf abtragungsgeschützten Positionen zu finden sein sollen?

- Lässt sich beim derzeitigen Kenntnisstand die Festlegung des Alters der LH auf die Younger Dryas rechfertigen?


und würde deshalb gerne wissen, wie solche Definitionen zustandekommen und wie man sich in solche einbringen kann.


27.02.2006

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Periglziäre Lagen

In den Mitteilungen der Bodenkundlichen Gesellschaft, Band 86 (1998) - Seite 175 - 180 - ist der aktuelle Diskussionsstand zu perigläziären Lagen zusammengefasst. Hier finden sich auch Literaturhinweise zur eingehenderen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Auch in den Mitteilungsbänden der folgenden Jahre finden sich weitere Veröffentlichungen. Tabelle 3 in Band 86 fasst die Kriterien zur Differenzierung zusammen.


Sicherlich ist die Lagengliederung nicht immer anwendbar, auch die Unterscheidung zwischen einzelnen Lagen ist nicht immer eindeutig. Dennoch helfen die im Gelände immer wieder ableitbaren Regelhaftigkeiten im Aufbau und der Abfolge der perigläziär beeinflussten Deckschichten bei der bodenkundlichen Kartierung.



Im Westerwald und Taunus bildet die Hauptlage häufig das Hangende der Laacher-See-Bimstephra. Hier ist das Alter belegt. Auch außerhalb dieses Gebietes finden sich häufig Bestandteile der Tephra aufgearbeitet in der Hauptlage. Dies läßt eine Alterseinstufung zu.

Oberlagen und den Oberlagen ähnlich holozäne Umlagerungsbildungen könnnen häufig nicht eindeutig unterschieden werden.


Beiträge zur besseren Ansprache und Gliederung der Lagen sind im Arbeitskreis für Bodensystematik willkommen.


28.02.2006

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Re: periglaziale Lagen in der KA5

Zunächst einige allgemeine Worte.

Die gestellten Fragen bzw. Kritiken sind nicht neu und betreffen das Unterkapitel

“Positionsgebunde Gliederung periglaziärer Lagen“


Dieses Kapitel fasst ein bestimmtes, tradiertes Wissen dar, welches ungefähr einen Zeitraum seit der Erforschung in den fünfziger Jahre umfasst. Trotz aller Kritik wollte man (man=Personenkreis KA5 und weiteres Umfeld) dieses - ich nenne es mal - Schema nicht komplett verwerfen. Es ist nicht nur in den meisten Köpfen fest verankert, sondern auch u.a. in vielen Datenbanken abgelegt etc.

Dem Gedankengut von zig-tausenden Aufsätzen zum Thema auf ein oder 2 Seiten gerecht zu werden ist sehr schwierig und sicher ein Verdienst der entsprechenden Autoren. Mit dieser Schematisierung und Vereinfachung sind natürlich „Mängel“ vorprogrammiert und unausweichlich.

Man muss aber auch im Auge behalten, dass die Zielgruppe der KA weit gefächert ist, und die Katieranleitung kein Vorlesungen zum Periglazial ersetzen kann und will.


Aus fachlicher Sicht ist Ihre Kritik durchaus berechtigt.

Ihre und manch andere Kritik führten zur Einführung der „Faziesneutralen Beschreibung“ in der KA 5.


Nun zu Ihren Fragen im Speziellen (natürlich nur oberflächlich):


Oberlage:

Das Problem der holozänen Konvergenzerscheingen wird ebenfalls seit den 50iger Jahren mehr oder weniger erfolgreich diskutiert. Nicht nur die Oberlage, auch andere nachweislich holozäne Sedimente zeigen gleiche oder ähnliche Ausprägungen wie z.B. die sog. Hauptlage.

Bei diesem Problem können oft nur die Erfahrung und die Gebietskenntnis weiterhelfen.

Eine postsedimentär nicht überprägte Oberlage wird schwer zu finden sein.


Mittellage und Luv:

- Sie müssten wissen, ob Ihre Hänge zum Zeitpunkt der Sedimentation wirklich im Luv lagen.

Zirkulationsmodelle im Pleistozän weisen sehr oft antizyklonale Ostwinde aus, die zudem sehr effektiv wären, da diese keinen Staubaustrag verhindernden Niederschlag herbeiführen. Was bringen Westwinde für die äolische Dynamik, wenn der Regen keinen Austrag ermöglicht?

- In rezenten Periglazialräumen werden Stäube aus den Tälern regional an den benachbarten Hänge im Luv abgelagert; bestätigt durch Labor- Modellversuche und von mir selbst im Gelände als Regelfall vorgefunden; also: äolische Sedimente im Luv sind immer zu erwarten (Stichwort Lokallöß)

- Wie sieht Ihr Gebiet in Bezug auf potentielle Ausblasungs- und Ablagerunggebiete aus?


LH jungdryaszeitlich

definitiv nein.


Hierin sehe ich generell ein großes Problem des Schemas:

Forschungs-historisch bedingt sind die einzelnen Lagen stratigrafisch belegt.

Dies ist nicht haltbar.

Dies zeigen Datierungen; auch das Prozessgefüge des rezenten Periglazialraumes führt uns das deutlich vor Augen.


Zudem müssen regionale Unterschiede berücksichtig werden.

Witterung und Klima, Ablauf und Prozesse des Periglazials im Alpenvorland sind nicht mit denen des Bayerischen Waldes oder des Wiehengebirges vergleichbar.

Eine Deckschicht auf einem Sandstein des Doggers ist anders beschaffen und zeigt andere Prozessmerkmale als eine Deckschicht aus einer Moräne oder eines Kalksteins. Der Faziesvielfalt sind keine Grenzen gesetzt.


Banal, aber wahr und oft vergessen.


10.11.2006

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Periglaziale Lagen in der KA5

Für mich scheint ist es ein Problem, dass nur generell

von öolischen Material gesprochen wird, ohne zwischen

"Lößqualitäten" zu unterscheiden.


Bei uns im Hunsrück (Soonwald, Rheinmoselhunsrück, Hunsrückhochfläche) gibt es augenscheinlich Mittellagen,

die wohl die Reste einer alten Parabraunerdelandschaft

darstellen (Bt-Horizonte) und sich ökologisch durch höhere Basensättigung auszeichenen, z.T. aber in eine "Hauptlagen-

Dynamik gekommen sind (Einarbeitung von Quarzitschutt).

Der Löß aus der Hauptlage ist dagegen immer basenarm und Ton-ärmer.


20.09.2007

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Periglaziale Lagen

@Robert Traidl:

<Nicht nur die Oberlage, auch andere nachweislich holozäne

<Sedimente zeigen gleiche oder ähnliche Ausprägungen wie

<z.B.die sog. Hauptlage.

Die Antwort habe ich nicht ganz verstanden: Sie sagt erst einmal aus, dass die Oberlage holozän sei; das schließt die KA5 aber im Wesentlichen aus: "...im periglazialen Bildungsmilieu entstanden...", allenfalls "...kann möglicherweise bis ins beginnende Holozän hinein entstanden sein", "durch holozäne Umlagerungen ... ähnliche Bildungen, die aber nicht ... einbezogen werden" (KA5: 181). Die Aussage zur Identifikation "... Felsdurchragungen ... durch die dort vorkommenden Gesteine geprägt" schließt eigentlich eine Verwechslungsgefahr mit der Hauptlage aus.


<Zirkulationsmodelle im Pleistozän weisen sehr oft

<antizyklonale Ostwinde aus, die zudem sehr effektiv wären,

<da diese keinen Staubaustrag verhindernden Niederschlag

<herbeiführen. Was bringen Westwinde für die äolische

<Dynamik, wenn der Regen keinen Austrag ermöglicht?

Von wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. Bayer. Wald) sind die antizyklonalen Ostwinde der Modelle empirisch widerlegt. Insbesondere in Nordamerika, wo die Modellaussage eigentlich noch viel deutlicher war (in Mitteleuropa in allen Modellen allenfalls saisonal, dort ganzjährig) haben alle Untersuchungen an Lössen gezeigt, dass die Westwinde schon unweit der Gletschervorfelder sogar eher stärker und häufiger als heute waren (z.B. Bettis, E.A., III, Muhs, D.R., Roberts, H.M., and Wintle, A.G., 2003, Last glacial loess in the conterminous U.S.A.: Quaternary Science Reviews, v. 22, pp. 1907-1946). Gleiches ist für Mitteleuropa belegt, wenn auch analytisch nicht ganz so sauber (MEYER, H.-H. und C. KOTTMEIER, 1989, Die atmosphärische Zirkulation in Europa im Hochglazial der Weichsel-Eiszeit - abgeleitet von Paläowind-Indikatoren und Modellsimulationen: Eiszeitalter und Gegenwart, v. 39, pp. 10-18). Unter pleistozänen, zumindest hochglazialen paläogeographischen Verhältnisse ist nennenswerter Niederschlag eigentlich nur bei Vb-Wetterlagen möglich; von daher stören W-Winde auch nicht.


Andererseits zielte meine Frage weniger darauf ab, dass/ob es auch an W- (=Luv-) Hängen Löss gibt, sondern auf dessen Verbreitung dort im Mesorelief. Bevorzugt findet man ihn nämlich -so vorhanden- in Hangdellen, und das sollten nach allen geomorphologisch/hydrologischen Gesetzmäßigkeiten gerade abflusskonzentrierende Reliefelemente sein, wo die Aussage der KA5, "...im Allgemeinen nur in erosionsgeschützten Positionen erhalten" schlichtweg falsch ist.



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